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22.03.18 - 13:19 Uhr

Land braucht eigene Wohnungsbaugesellschaft

In Baden-Württemberg wurden 2017 weniger Wohnungen gebaut - Mieterbund BW ist besorgt

Trotz zunehmender Wohnungsnot in den Ballungszentren und Uni-Städten des Landes sind die Fertigungszahlen im Wohnungsneubau in 2017 stark rückläufig. So wurden bis Ende September 2017 fast 18 Prozent weniger Wohnungen freigegeben als im gleichen Vorjahreszeitraum. Statt der vom Prognos-Institut für notwendig erachteten 65.000 Wohnungen pro Jahr sind im Jahre 2017 voraussichtlich nur 35.000 Wohnungen neu erstellt worden. Der stärkste Einbruch ist dabei in der Fertigstellung von Mehrfamilienhäusern zu verzeichnen und der Wohnungsmangel nimmt insbesondere in den großen Städten weiter zu.

Als Hauptursache für den Rückgang geben Wohnungswirtschaft und Verbände den Mangel an  Grundstücken an. Das von der Allianz fürs Wohnen in Auftrag gegebene Prognos-Gutachten schlug deshalb eine vom Land  zu gründende landeseigene Entwicklungsgesellschaft vor, um die Kommunen bei der Bereitstellung und Entwicklung von Baugrundstücken zu unterstützen. 

„Leider sieht die Landesregierung trotz rückläufiger Wohnbauzahlen für eine zu gründende Ent-wicklungsgesellschaft keinen Bedarf“, kritisiert der Landesvorsitzende des deutschen Mieter-bundes Rolf Gaßmann die ablehnende Erklärung der Wirtschaftsministerin. Dabei sei doch in-zwischen klar, dass die Privatisierung der landeseigenen Wohnungsunternehmen nicht nur in Baden-Württemberg ein großer Fehler war. So habe der designierte Ministerpräsident von Bay-ern deshalb angekündigt, eine solche Landesentwicklungsgesellschaft wieder gründen zu wollen und sie mit 500 Millionen Euro Kapital auszustatten.

Der Deutsche Mieterbund sieht noch eine weitere Notwendigkeit für eine solche Neugründung in Baden-Württemberg: Obwohl das Landeswohnraumförderprogramm inzwischen gut ausgestattet und attraktiv ist, werden die Mittel für den Sozialen Mietwohnungsbau nicht einmal zur Hälfte in Anspruch genommen. So wurden bis Ende 2017 nur Mittel für 1.300 Mietwohnungen statt der möglichen 3.200 Wohnungen von den Wohnungsunternehmen beantragt. Nach Einschätzung des Deutschen Mieterbundes sind neben den fehlenden Grundstücken auch die höheren Rendi-ten im frei finanzierten Wohnungsbau hierfür ursächlich. „Wenn Genossenschaften und Kom-munale Wohnungsgesellschaften nicht hinreichend Sozialwohnungen bauen wollen, dann muss eine landeseigene Wohnungsgesellschaft diese Aufgabe übernehmen“, fordert der Deutsche Mieterbund.“ Geld ist wichtig - aber Geld allein reicht nicht. Wenn die Landesregierung in Baden-Württemberg nicht schnell handelt, wird sich die Wohnungsnot noch weiter verschärfen“, warnt Rolf Gaßmann.